Auf dem Henkersteg

Dienstag, 27. April 2010 15:24

SAM_0097

Der Henkersteg ist eine alte und überdachte Brücke aus massiven, zerfurchten, teilweise von ockergrünlichem Moos bewachsenen Holzbalken, die von ihren Besuchern mit eingeritzten Namen und Liebesbekundungen geschmückt wurde. Die Maserung ist tief, teilweise ist das Holz ein oder zwei Zentimeter tief gespalten. Durch die Rillen im Holzfußboden, der unter den Schritten der Passanten vibriert und mit dicken, walnussgroßen Eisennieten beschlagen ist (die wie poliert blinken, obwohl sie rundherum rostig und obenauf geschwärzt sind), sieht man den grünen, spiegelnden Fluss, die Pegnitz.

SAM_0107 SAM_0104

Die Pegnitz ist zu trüb, als dass man ihren Grund sehen könnte. Blau spiegelt sich der Himmel in ihr, am Rande ein waberndes Haus, eine Allee von Bäumen, über deren Äste der Frühling bereits hellgrünes Konfetti gestreut hat, die senkrecht abfallende Sandsteinmauer, die gegenüberliegende steinerne Maxbrücke und die Trauerweide, die sich, in der grünbraunen Inselzunge des Henkershauses wurzelnd, weit über das Wasser beugt, als wollte sie ihr üppiges Haar waschen.

Rostbraune Blätter treiben über das Wasser, ziehen gleichmäßig dahin, den Enten nach, die unter der Trauerweide hindurch paddeln. Ich sehe noch grüne Samen auf dem Wasser, die ein Baum verloren hat, der weiter flussaufwärts steht. Das Wasser reflektiert das Licht der Abendsonne auf die Dachbalken der Brücke, ein lebendiger, nie still stehender Schimmer ist dort zu sehen, und ein gezahnter, bewegungsloser Schatten vom Überhang des Satteldaches direkt darunter auf den abgescheuerten Brettern.

SAM_0099 SAM_0102

Im Gebälk gurren die Tauben so laut, dass sie nicht zu überhören sind; jetzt sind sie still, stumm wie das Brückengemäuer gegenüber. Das hießige ist nicht ruhig. Unter dem Dach des Henkerstegs rumpelt, brummt, hallt, pocht, zittert, zwitschert, gurgelt und gurrt es unermüdlich. Das Holz saugt die Schrittgeräusche aller Passanten auf, die schleppenden, schleifenden, spazierenden, eiligen, selbstbewussten, strauchelnden, strikten, verkrampften, alterssteifen und schleichenden. Es saugt sie auf und erinnert sich ihrer.

Alle Geräusche der Altstadt ziehen hier vorbei. Das ferne Rauschen einer Schnellstraße ist zu hören, das Brummen eines Motorrads, das Pfeifen eines Frühlingsboten, das Hupen von Rädern auf Pflasterstein, Stimmengewirr, Hundegebell, jenseits der gegenüberliegenden Maxbrücke ein kleiner aber breiter Wassersturz, streitende Vögel und Balzgesang. Wieder gurren die Tauben und in der Ferne läutet ein Kirchturm sechs Uhr. Jetzt, im goldenen Abendlicht, kommen die Mücken heraus, und während die Enten schnatternd vorbei fliegen, wird es auch kühler.

SAM_0114 SAM_0110

Schade, das meine Zeit so knapp bemessen ist. Jeder Besuch in Nürnberg lohnt sich und ich freue mich dieses Jahr auf viele weitere Nachmittage in der mystisch anheimelnden Altstadt mit ihren sieben Brücken, zahllosen Brunnen, starken Mauern und restaurierten Fachwerkhäusern.

SAM_0126

Sie ist und bleibt für mich die schönste Stadt Deutschlands.

Thema: Allgemein | Kommentare (6)

Willkommen zuhause, Tito!

Samstag, 27. März 2010 14:20

Seit Freitagnachmittag ist Tito endlich wieder zuhause!

Er war in die Tiefgarage zurückgekehrt, wo sein Abenteuer begonnen hatte, und dort von einem Nachbarn gesehen worden. Nachdem uns dieser sofort angerufen hatte, sind wir nach unten gestürzt und haben das arme Ding unter einem Auto hervor geholt.

Zurück in der Wohnung hat sich Tito erstmal den Magen vollgeschlagen und ordentlich getrunken, geschlafen und geschmust und sich rundum wohl gefühlt. Nach einem Bad – um den gröbsten Dreck herunter zu bekommen, den er mit nach Hause gebracht hat – hat er sich eine geschlagene Stunde lang geputzt und dann die Nacht im Bett der Dosenöffner verbracht.

Die Freude über Titos Heimkehr ist heute etwas gedämpft worden. Ein Tierarztbesuch stand an, aufgrund einer verkrusteten Wunde am unteren Bauch. Diagnose: vom Auto angefahren! Und dabei muss er verdammt viel Glück gehabt haben. Die Wunde wird wohl gut abheilen, zur Not bekommt er bei Eiterung Antibiotika und eine Jodsalbe, aber der nachträgliche Schrecken bleibt, nicht nur beim Kater.

Trotzdem heißt es jetzt erst einmal durchatmen und entspannen. Die letzten 10 Tage (und Nächte) waren so anstrengend, dass es mir jetzt richtig schwer fällt, zu alten Gewohnheiten zurückzukehren. Für die nächsten Tage ist Regen angesagt, aber wenn danach die Sonne wieder scheint, dann beginnt bei mir der Halbjahresurlaub auf Balkonien. Und spätestens bis dahin haben wir Titos kleines Abenteuer hoffentlich verdaut.

Thema: Allgemein | Kommentare (0)

Tito gesichtet

Mittwoch, 24. März 2010 5:26

Es ist 5:12 Uhr und hinter mir liegt eine durchwachte Nacht. Zum ersten Mal seit ziemlich genau einer Woche kann ich nun behaupten, Tito (höchstwahrscheinlich) gesehen zu haben – und zwar “um die Ecke”.

Er ist vor mir weggelaufen und hat sich weder von Schlüsselrascheln noch von Trockenfutter anlocken lassen. Aber immerhin hat es nun den Anschein, als drehe er immer dieselbe Runde. Er treibt sich vor unserer Nase herum, und nicht in irgendeiner abgelegenen Seitenstraße, im Wald oder sonstwo. Irgendwann wird er also wieder nach Hause finden.

Vor zwei Tagen haben wir einen heißen Tipp von einer schräg gegenüber wohnenden Nachbarin erhalten, die sich 1000%ig sicher ist, Tito vorvorgestern um 20:00 Uhr auf der Wiese vor ihrem Haus sitzen gesehen zu haben. Zum dritten Mal in Folge war außerdem gestern Morgen der Napf, den diese Nachbarin vor die Tür gestellt hatte, leer geschleckt. Es scheint fast so, als hätte Tito dort eine Futterstelle gefunden. Daraufhin habe ich heute Nacht um 23:00 Uhr vor besagtem Haus die Katzenfalle aufgestellt.

Ich habe die Falle seither stündlich kontrolliert. Gefangen habe ich leider nur eine fremde Katze, der ihr Abenteuer nicht gerade zugesagt hat. (Ich hoffe, dass so was zum letzten Mal passiert ist. Das Tier hat mir aufrichtig leid getan.) Um halb fünf habe ich die Falle wieder ins Haus geholt – nur um sie gleich wieder runterzustellen, als mein Schatz, der im Begriff war, zur Arbeit zu gehen, Tito in den benachbarten Hinterhof huschen sah.

5:20 Uhr, die Vögel machen auf einmal einen unheimlichen Krach. Vielleicht den angenehmsten Krach der Welt. Tito geht heute wohl hungrig schlafen. Hoffentlich nimmt er das zum Anlass, morgen Abend in die Katzenfalle zu kriechen.

Ich beobachte weiter die Katzenfalle im benachbarten Hof und genieße die Morgendämmerung, in der Hoffnung, dass Tito zuhause ist, ehe ich heute ins Bett falle.

PS: Sämtliche grammatikalische und ortographische Verballhornungen und Neuschöpfungen in diesem Text gehen auf meine Müdigkeit zurück. ;)

Thema: Allgemein | Kommentare (0)

Tito #2

Freitag, 19. März 2010 16:52

Seit drei Tagen stehen meine Uhren still. Es gibt weder Alltag noch Schlafrhythmus. Nicht einmal Musik läuft.

Inzwischen steht so gut wie fest, dass Tito in der Gegend herumstreunt, auf der anderen Straßenseite nämlich, zwischen Wohnhäusern und Bäumen. Aber er kommt nicht raus, da kann ich rufen wie ich will. Er hat Angst und Angst und Angst.

Ab morgen probieren wir es mit einer Katzenfalle.

Thema: Allgemein | Kommentare (2)

Suchaktion Tito

Donnerstag, 18. März 2010 8:39

IMAG0205

Am 17.3.2010 hat es Tito in den frühesten Morgenstunden endlich geschafft: Er öffnete die Wohnungstür, ohne dabei das ganze Haus aufzuwecken, und stahl sich in den Hausflur. Danach landete er laut Nachbarsaussage in der Tiefgarage und gelangte von hier aus nach draußen in die schöne, grausame Freiheit.

Seither ist Tito wie vom Erdboden verschluckt. Hunger scheint er keinen zu haben, und zu vermissen scheint er uns auch nicht, denn obwohl ich alles Menschenmögliche getan habe, um ihn zu finden – und noch lange nicht damit aufhöre – bleibt er verschwunden.

Tito ist eine reine Wohnungskatze und sieht die große, weite Welt (trotz Flugzeugtransport aus Spanien vor einem Jahr) zum ersten Mal. Ich hab schreckliche Angst um ihn. Ich weiß nicht, wie lange er brauchen wird, um sich da draußen frei bewegen zu können, frei genug, um wieder vorbehaltslos zu mir zurückzukommen, ohne bei jedem fernen Autogeräusch zusammenzuzucken.

Bitte denkt alle fest an uns, die wir unseren Tito stark vermissen, und drückt uns die Daumen, dass er bald wieder zuhause ist.

Thekla, Rainhard und Luzi

Thema: Allgemein | Kommentare (0)

Fast Prächtige Blümchenpracht

Samstag, 1. August 2009 14:35

Auch, wenn ich mir meinen Balkon etwas bunter und blütenreicher vorgestellt hatte, bin ich doch fürs Erste ganz zufrieden. Ist schließlich mein erstes Jahr auf meinem ersten eigenen Balkon und da ich alles selbst angepflanzt hab, ohne mir irgendwelche Standardbalkonpflanzen aus dem Laden zu holen, zahle ich mein Lehrgeld und freue mich trotzdem.

Leider habe ich es verpasst, ein Foto von der üppig blühenden Kapuzinerkresse zu schießen, denn die war wirklich ein Augenschmaus. Inzwischen ist sie leider schon verblüht – auch wenn ich dachte, dass Kapuzinerkresse das ganze Jahr über blüht; ob ich irgendetwas falsch gemacht hab? Samen kann ich jedenfalls in Hülle und Fülle ernten, auch wenn ich erst warten muss, bis sie alle abfallen. Die ersten konnte ich bereits einsammeln, es kommen nur keine Blüten nach.

imag0036 imag0039

Ich wüsste wirklich gern, ob es etwas gibt, dass sich jetzt im August noch einzupflanzen lohnt, wodurch ich den Kapuzinerkressekasten ersetzen könnte. Kennt jemand etwas? [...]

Thema: Allgemein | Kommentare (1)

“Nääääh!”

Donnerstag, 25. Juni 2009 21:55

*abbrech* XDD

Thema: Allgemein | Kommentare (2)

Der Juni is’ do

Freitag, 5. Juni 2009 13:07

luzi-liebt-futter1

Und der Juni geht einher mit blühendem Glücksklee, schießender Sonnenblume, gemütlichen Kletterpflanzen und knospender Kapuzinerkresse …

sta60003 sta60007 sta60011

Thema: Allgemein | Kommentare (3)

Der Balkon …

Sonntag, 24. Mai 2009 21:07

… ist FEEERTIIIIG !!!

Na ja gut, meine Pflänzlein müssen noch wachsen und blühen und die Gemüsepflanzen reiche Ernte tragen, aber für’s Erste ist es uuurgemütlich in unserem erhöhten Mini-Garten – ich mag scho gar nimmer runter geh’n!

imag0250 imag0251

Einziger Wehmutstropfen (an anderer Stelle): Die größte Kapuzinerkresse meinte, sie müsse sich Mietnomaden unter’s Dach holen. Blattlausalarm! ;_;

imag0252

Thema: Allgemein | Kommentare (2)

Wie’s wächst und gedeiht

Donnerstag, 21. Mai 2009 16:31

Inzwischen sind die Kletterpflanzen ausgesät, die Balkonmöbel stehen, die Tomaten haben ihre endgültigen Behausungen bezogen und dank Jana hat es obendrein noch ordentlich Zuwachs gegeben! :D Aber Bilder sagen bekanntlich mehr als 1000 Worte …

imag0241-copy

Hier wächst’s und gedeiht’s fröhlich, trotz vergangener Erschütterung (die Rede ist vom heruntergefallenen Thymian) und mit neuen alten Bekannten, dem Ricinus-Bäumchen von Jana.

Im großen und im kleinen Balkonkasten sprießt die Kapuzinerkresse. Ich musste die Kornblumen in einen Extrakübel pflanzen (letztes Bild), weil sie sonst den anderen Pflanzen zu viel Platz und Licht weggenommen hätten. Man sieht, wie die Sommerlupinen im kleinen Kasten bereits gelitten haben … :( Ich hoffe, sie erholen sich wieder.

imag0238 imag0248 imag0244

Hier die Tomaten – in Reih und Glied! – und daneben eines von vier Paprikapflänzchen im neuen Kübel der Prunkwinde Kniola’s Black, von der aber noch nichts zu sehen ist.

imag0242 imag02401

Und zuletzt der Herr des Hauses unter seinen neuen Balkonmöbeln neben der explosionsartig wachsenden Engelstrompete, die möglicherweise bald einen neuen Topf benötigt. Außerdem nicht zu vergessen: Der Glücksklee! :D

imag0245 imag0246 imag0247

Bilder vom “Namenlosen Lieblingsbusch” und den Lavendelpflänzchen von Jana gibt’s das nächste Mal. ^^

Thema: Allgemein | Kommentare (0)